Typografie

Schriftarten

In der Typografie wird zwischen den Schriftarten Antiqua und Grotesk unterschieden. Antiquaschriften sind im Wesentlichen dadurch gekennzeichnet, dass sie Serifen haben.

Dies sind häkchenartige Erweiterungen an den Enden der Buchstaben, die in der Regel die Lesbarkeit verbessern. Deshalb finden Antiquaschriften in Druckmedien bevorzugt Verwendung. Wegen dieses sehr entscheidenden Merkmals werden Antiquaschriften auch Serifenschriften genannt. Ein weiteres Merkmal der Serifenschriften sind ihre Unterschiede in den Strichstärken innerhalb eines Buchstaben. Dadurch sind sehr schmückende Schriftgestaltungen möglich, die allerdings bisweilen auch als schnörkelhaft empfunden werden können. Es sei hier noch die serifenbetonte Linearantiqua erwähnt, bei der, wie die Bezeichnung bereits vermuten lässt, die Serifen sehr betont sind und sich zudem die Strichstärken innerhalb eines Buchstaben nur gering oder gar nicht unterscheiden. Diese Schriftart wird häufig als Auszeichnungsschrift verwendet. Als solche kann sie gut für Druckmedien eingesetzt werden und ab bestimmten Schriftgrößen auch für selbstleuchtende Medien (siehe ›Text und selbst leuchtende Medien‹ in diesem Kapitel).

 

Abb. 1.3.1

 

Abb. 1.3.2 Antiquaschriften

 

Abb. 1.3.3 Serifenbetonte Linearantiqua

 

Groteskschriften, auch serifenlose Linearantiqua genannt, sind, wie die Ergänzung vermuten lässt, serifenlose Schriften. Sie weisen nur sehr geringe oder gar keine Unterschiede in den Strichstärken auf.

 

Abb. 1.3.4 Groteskschriften, serifenlose Linearantiqua

 

Um sich für die geeignete Schriftart entscheiden zu können, sind die ergonomischen Aspekte des Darstellungsmediums genauso zu berücksichtigen, wie die Nutzungsgewohnheiten, die eine jeweilige Zielgruppe mit dem entsprechenden Darstellungsmedium in Verbindung bringt. Aber selbst- verständlich sind auch die Absichten, die mit den Textinhalten, aber auch durch die Gestaltung mit Typografie erreicht werden sollen, zu bedenken.

 

Abb. 1.3.5 Schriftarten können zielgruppen- bzw. themenspezifisch gestaltet oder ausgewählt werden.

 

Für Druckmedien stehen, auf Grund der hohen Auflösung, alle Gestaltungsmöglichkeiten mit Typografie zur Verfügung. Es lassen sich sehr filigrane Details darstellen, selbst dann, wenn die Schriftgröße sehr klein gewählt wurde.

Beim Screen- und Interfacedesign sind die Möglichkeiten der typografischen Gestaltung hingegen erheblich eingeschränkt, wenn für Darstellungsmedien gestaltet wird, deren Auflösung in der Regel nicht mehr als 72 bzw. 96 dpi beträgt. Serifenschriften sind insbesondere dann ungeeignet, wenn nur in einer relativ geringen Auflösung dargestellt werden kann und die Darstellungsmedien zudem selbstleuchtende bzw. hintergrundbeleuchtete Medien sind. Die geringe Auflösung kann zum Ausreißen feiner Strichstärken führen. Und der Umstand, dass diese Wiedergabemedien selbst leuchten, kann zum Überstrahlen der dünnen Strichstärken führen. Besonders dann, wenn der Helligkeits- und Buntkontrast zwischen Schrift und Hintergrund nicht ausgewogen ist. Bereits dieser Umstand kann zu einer übermäßigen Belastung der Augen des Betrachters führen. Je nach Darstellungstechnologie kommt eventuell noch ein Flimmern hinzu, bedingt durch Wiederholungsfrequenzen des Bildaufbaus, z. B. bei Röhrenmonitoren. Für die Darstellung auf Bildschirmen sind speziell entwickelte Screenfonts bzw. Pixelschriften geeignet, da deren Strichstärken gleichmäßig auf die Abstände und Winkel der Rasterdarstellungen abgestimmt und jeweils für die passende Schriftgröße entwickelt sind.

Je nach Darstellungsmedium und Darstellungstechnologie sind bestimmte Schriftschnitte besser oder weniger gut geeignet. Grundsätzlich sind serifenlose Schriften für die Darstellung von Texten an selbstleuchtenden Medien gut geeignet. Erst ab einer bestimmten Schriftgröße, sobald die Strichstärken groß genug sind, um nicht überstrahlt zu werden, lassen sich auch Serifenschriften gut lesbar einsetzen. Serifenschriften sollten dann aber nicht im Fließtext, sondern in erster Linie für Überschriften Anwendung finden.

Da man für HTML-basierte Publikationen im Internet eigentlich nie sicher sein kann, welche Schriftarten auf dem Computer des Anwenders installiert sind, eignen sich besonders jene für die Gestaltung von Internetseiten, die beim Installieren der jeweiligen Betriebssysteme als Systemschriften mitgeliefert werden. Die Lucida Grande ist z. B. eine nicht deaktivierbare Systemschrift von Mac OS X. Dasselbe gilt für die Tahoma bei den Windows-Betriebssystemen. Ansonsten sind Arial, Times New Roman und Courier New weit verbreitete Schriftarten auf den beiden Systemen Windows und Mac. Attraktive Alternativen zu Arial, Times und Courier sind die Georgia, Trebuchet MS, Verdana, Vera Sans, Vera Sans Mono und Vera Serif.

Es ist zu empfehlen, über das HTML-Script ein bis zwei Alternativschriftarten anzugeben, die automatisch dargestellt werden, sobald die erstgenannte Schriftart nicht auf dem Computer des Anwenders installiert ist. Interessante Schriften, insbesondere Screenfonts, sind u.a. im Internet zu finden unter www.fontsforflash.com und www.dafont.com.

 

Abb. 1.3.6 Screenfonts, auch Pixelschriften genannt, sind jeweils für die passende Schriftgröße entwickelt. Das heißt, eine 8-Punkt- Schrift ist für diese Größe bzw. für ein Vielfaches dieser Größe bestimmt. Zur Darstellung muss das Antialiasing ausgeschaltet sein. Silverscreen von Alex Schumacher, © 2005 www.typotaurus.de

 

Abb. 1.3.7 Je nach Darstellungsmedium, Hintergrund und Schriftgröße können die geeigneten Schriftschnitte gewählt werden. Dünne, kursive und schmale Schriftschnitte sind in der Regel für eine Bildschirmdarstellung ungeeignet. Die Schrift muss schon relativ groß sein, damit die Linien im Pixelraster sauber dargestellt werden können. Sind die Schnitte zu fett, kann es passieren, dass die Buchstaben ineinander verlaufen.

 

Abb. 1.3.8

 

Abb. 1.3.12

 

Abb. 1.3.13 Auch wenn verschiedene Schriftarten in einer identischen, in Punkt gemessenen Schriftgröße abgebildet werden, können sie sich in ihrer dargestellten Größe dennoch sehr stark unterscheiden.

 

Abb. 1.3.14

 

Proportionale und nicht proportionale Schrift

Bei einer nicht proportionalen Schrift, auch Monospaced Font genannt, hat jedes Schriftzeichen die gleiche Breite. Bei einer proportionalen Schrift hat jedes Schriftzeichen die horizontale Ausdehnung, die es tatsächlich benötigt. Daraus resultiert ein ausgeglichenes Schriftbild.

Die Courier ist eine Schriftart, die der Schreibmaschinenschrift nachgeahmt ist, weshalb die Buchstabenabstände alle identisch sind. Bei einer rein mechanischen Schreibmaschine wäre dies nicht anders möglich. Deswegen ist die Courier ein idealtypisches Beispiel für eine nicht proportionale Schrift. Die Zwischenräume zwischen den einzelnen Buchstaben sind ungeachtet ihrer eigenen Breite identisch, weshalb nicht proportionale Schriftarten auch Monospaced Fonts genannt werden (gleicher Zwischenraum).

Zu einem schmalen ›i‹ werden demnach dieselben Abstände eingehalten wie z. B. zu einem wesentlich breiteren ›C‹.

Proportionale Schriftarten zeichnen sich dadurch aus, dass sie je nach Buchstabenbreite unterschiedliche Zeichenbreiten aufweisen. Ein ›i‹ benötigt dementsprechend weniger Raum als ein ›O‹ (hier am Beispiel der Optima).

 

Abb. 1.3.48 Nicht proportionale Schriftart, Monospaced Font, hier Courier New Regular.

 

Abb. 1.3.49 Proportionale Schriftart, hier Optima Roman.

 

Antialiasing

Bei Schriften wird Antialiasing angewandt, um den Eindruck zu erwecken, die Ränder von Buchstaben seien glatt, was sie aber, bedingt durch die Rasterdarstellung an Bildschirmen, aber nicht sein können. Die Abstufung wird optisch durch einen Verlauf der Schriftfarbe abgeschwächt, der in die Hintergrundfarbe übergeht. Deshalb ist Antialiasing auch nicht bei allen Schriftgrößen, Hintergrundfarben und Strichstärken geeignet. Je kleiner die Schrift ist, um so eher kann bzw. sollte auf Antialising verzichtet werden. Die Schrift wird sonst zu unscharf. Sie wirkt dann übertrieben weich gezeichnet und verschwimmt. Bei Serifenschriften sollte Antialiasing erst dann eingesetzt werden, wenn die Strichstärke groß genug ist.

Bei den meisten Produktionen, die über selbstleuchtende Medien dargestellt werden, kann von Seiten des Gestalters festgelegt werden, ob und ab welcher Schriftgröße eine Schriftart geglättet dargestellt wird. Bei HTML-basierten Darstellungen, die über das Internet publiziert werden, hat er darüber aber nur einen reduzierten Einfluss. Die Eigenschaften der Schrift werden dann durch das Betriebssystem, den Browser und eventuell durch den Anwender selbst bestimmt, vorausgesetzt, er ist mit den Einstellungsmöglichkeiten seines Browsers vertraut.

Durch den Einsatz von CSS (Cascading Style Sheets), einer Formatierungssprache, wird es dem Gestalter von HTML-basierten Internetseiten allerdings ermöglicht, Schriftgröße, Schriftart, Spationierung und Zeilenabstand weitestgehend festzulegen. Will man ganz sicher gehen, dass die im Internet publizierten Textdarstellungen den eigenen Formatierungsvorgaben entsprechend abgebildet werden, kann man auf die Autoren-Software Flash zurückgreifen.

 

Abb. 1.3.50

 

Zeilenabstand

Der Abstand der Zeilen zueinander sollte je nach der Länge der Zeilen entsprechend größer oder kleiner sein. Es geht dabei in erster Linie um die Lesbarkeit eines Textes. Ist der Zeilenabstand sehr gering, so scheinen sich die Zeilen zu berühren oder zu überlagern. Ist er zu weit, so werden die Zeilen nicht als zusammenhängend wahrgenommen. Der ideale Zeilenabstand liegt bei 100 % bis 150 % der Mittellänge des jeweiligen Schrifttyps. Hier lässt sich kein eindeutiger Wert nennt, da zu beachten ist, dass sich die Mittellänge verschiedener Schrifttypen auch dann unterscheiden, wenn die Versalienhöhe identisch ist (siehe ›Mittellänge‹ und ›Versalienhöhe‹ in der Abbildung zu ›Schriftgrößen in Abhängigkeit von Darstellungsmedien‹).

Wie bedeutsam der Zeilenabstand für die Lesegeschwindigkeit ist, zeigt eine Studie von Psychologen an der Universität in Toronto, bei der das Lesen von Texten auf Fernseh-Röhrenmonitoren untersucht wurde. Sie ergab, dass die Anzahl der Buchstaben pro Zeile, die Anzahl der Zeilen selbst und deren Abstand zueinander einen größeren Einfluss auf die Lesegeschwindigkeit haben, als der Kontrast und der Abstand vom Bildschirm (www.psych.utoronto.ca).

 

Abb. 1.3.51

 

Spaltenbreite

Je nachdem, auf welchem Medium der Text abgebildet wird, welcher Schrifttyp und welche Schriftgröße gewählt wurde, ergibt sich das geeignete Maß für die Spaltenbreite. Grundsätzlich gilt aber, dass sieben bis zehn Worte pro Zeile eine gut lesbare Spalte ergeben.

Durch eine zu lange Zeile kann der Wechsel zur nächsten beeinträchtigt werden und durch eine zu kurze Zeile wird der Text schwer lesbar. Außerdem wirkt das Schriftbild dann sehr unruhig.

 

Abb. 1.3.52

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Kommentare

Philipp Süß's Bild
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Clear Type

Hallo,

realtiv neu ist es, dass Schriftarten eingebettet werden, die nicht beim Bentzer istalliert sind. Hierzu wird die Schrift extern von einem Server gezogen und die Schriftart wird angzeigt.

Beim MAC kein Problem, dieser händelt die Schriften ohne das der Benutzer großartig etwas merkt.

Beim PC schon etwas anders. Windows 7 kommt mit den Schriftarten und dem Antialising ähnlich gut klar, wie der MAC, ist aber immernoch nicht auf dem selben Nivau.

Mein Notebook mit Windows XP stellt die Schriften ohne Antialising dar, aus Desgner sicht kaum zumutbar.

Um diese Darstellung ertragbar zu machen, muss ich in die Einstellungen und ClearType aktivieren. Für meinen Geschmack ist dies aber schon zu aufwändig. Es sollte von Anfang an sauber dargestellt werden.

Gerade Webdesign ist sehr durchdacht und es wird immer darauf rücksicht genommen, was bei den einzelnen Benutzern dargstellt werden kann und was nicht. Dabei wird immer auf die Auflösungen der Bildschirme und die Fähigkeiten der Browser bezug genommen.

Schaue ich mir die Zahlen von http://www.webmasterpro.de/portal/webanalyse-systeme.html an, so stelle ich fest, dass (Stand 28.11.2010) 90,8 % der Benutzer mit Windows als Betreibssystem unterwegs sind. 24,8 % surfen mit Windows 7 44,4 % mit Windows XP und nur 5,5 % mit einem MAC.

Ich gehe davon aus, dass nur sehr wenige sich die Mühe machen ihre Einstellungenso anzupassen, dass die Seiten sauber angezeigt werden.

Deshalb stellt sich für mich die Frage, warum man das Internet für reif hält Webfonts zu nutzen, die extern geladen werden?

Auf http://www.designmadeingermany.de kann ich sogar rechts auf der Schriftwahl zwischen verschiedenen Schriften wählen. Gut, man kann jetzt argumentieren, dass viele Designer einen MAC haben, bzw. wenn schon Windows das aktuellste, jedoch halte ich das nicht für ein Stichfestes Argument. Design ist darauf bedacht immer zu funktionieren. Also warum wird die Möglichkeit in betracht gezogen, verschiedenen Benutzern ein sehr unatraktives Bild zu zeigen, nur um der anderen Hälfte eine sehr atraktives Bild zu ermöglichen?

Sven Hofmann's Bild
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Re: Clear Type

Hallo Philipp,
das Einbetten von Schriften und deren Darstellung auf Internetseiten ist natürlich schon lange ein wichtiges Thema beim World Wide Web Consortium (W3C). Seit 2002 gibt es für Webdesigner eine Möglichkeit mittels CSS3 die Glättung im Browser zu "erzwingen". Hierbei werden also die Kanten der Schrift optisch geglättet (Anti-Aliasing) wodurch ein weicheres Bild erzeugt wird. Leider kann das Pixelraster nicht verändert werden, weswegen das Ergebnis immer leicht unscharf erscheinen wird. (Nach dem gleichen Prinzip funktioniert auch der Clear Type!)
W3C Info: the 'font-smooth' property

Die einzige richtige Lösung wäre, die Schriften direkt für den Bildschirm zu optimieren (Hinting), weil das aber Zeit und Geld kostet sind leider nicht alle Schriften für den Gebrauch im Internet geeignet.

Mit den richtigen Kenntnissen und entsprechendem Aufwand kann also durchaus auch der Bereich Schrift entsprechend benutzerfreundlich optimiert werden.

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